Auch wenn sie auf den ersten Blick bis auf die deutliche Affinität des Hundes zum Beinheben am Baum zunächst nicht viel Weiteres gemein zu haben scheinen: Baum und Hund verbindet darüber hinaus auch ein wichtiger Begriff: Schule.
Ähnlich dem Begriff Baumschule verwirrt dabei auch das Wort Hundeschule zunächst rein inhaltlich. Weder Baum noch Hund benötigen von sich aus eigentlich eine Schule, jeder für sich hat von der Evolution sinnvoll vorgegebene Entwicklungsmuster und Verhaltensmaßgaben, als Einzelwesen und in Gemeinschaft.
Es ist der Mensch, der in und auf diese naturgegebenen Prozesse einwirken möchte, mit diversen Zielen und durch unterschiedliche Maßnahmen, das wird dann im Volksmund Schule genannt.
Das bedeutet konkret für den Hund bzw. die Hundeschule:
Meist ist es weniger der Hund, der in einer Hundeschule ausgebildet wird, sondern der Mensch als Hundehalter. Mit der Zielsetzung. im Zuge einer artgerechten Tierbetreuung die Rolle des Hundes als allgemeinverträgliches, soziales Wesen zu erhalten. Zielsetzung einer sinnvoll und ernsthaft betriebenen Hundeschule ist, den Hundehalter in seine Rolle als Rudelführer, also Chef des Hundes einzuweisen, ihn in für Hunde verständliche Ausdruckweisen in Bezug auf Gestik und Verhalten zu unterweisen, damit er sich dem Hund gegenüber als verlässlicher, vertrauenswürdiger Rudelführer darstellen kann. Das dem Hund gegenüber adäquate Verhalten des Hundehalters, also Rudelführers, ist maßgeblich wichtig, damit ein Hund nicht übermäßig aggressiv oder unsozial reagiert oder sogar agiert. Die wichtigste Aufgabe einer guten Hundeschule ist also, dem Hundeführer den für den Hund überzeugenden Status des Rudelführers beizubringen.
Jeder Hund hat genetisch und evolutionär bedingt ein großes Repertoire an Verhaltensweisen und Instinkten, die einzig dazu dienen, ihm zum Überleben zu verhelfen. Dabei ist ein Hund genetisch bedingt erstaunlich wandlungsfähig in diesen Rollen: je nach Zusammensetzung des Rudel nimmt er gerne die Rolle des friedlichen Familienhundes ein, kann aber auch ohne weiteres bei unsachgemäßer Führung und nicht artgerechter Behandlung die Rolle des Rudelführers beanspruchen. Für den Hund ist das alltägliche Austesten dieser Rollen als Rudeltier überlebenswichtig und völlig normal, das daraus resultierende Verhalten kann für Menschen, die sich als Hundeführer nicht mit dieser Materie auseinandersetzen sowie für deren Umfeld sehr unangenehm sein.
Kurzgesagt: ein Hund braucht genetisch bedingt eine feste Rangfolge in seinem Rudel und eine verlässlich vertrauenswürdige und für ihn in Gestik und Verhalten verständliche Person als Hundeführer. Findet er diese nicht, wird er zunächst unsicher und versucht dann, die Rolle als Rudelführer selbst auszufüllen.
Eine Hundeschule ist wichtig für alle Hundeführer, um einen Hund sicher und allgemeinverträglich führen und halten zu können. Nebenbei kann es ein großer Spaß werden, in der Hundeschule weitere Hunde und deren Halter kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Und auch das Hinarbeiten auf kleine Kunststücke ist sinnvoll, das festigt die Bindung zwischen Hund und Hundehalter und führt für beide zu Spaß an der Beschäftigung miteinander.
Besonders wichtig ist es, bei der Auswahl einer Hundeschule darauf zu achten, dass die Hunde nicht mit Zwang oder Bestrafung, sondern ausschließlich mit Belohnung bei gewünschtem und Ignorieren bei unerwünschtem Verhalten erzogen werden.