Bis heute halten sich gewisse Mythen und Legenden. Dazu gehören auch Hellseher bzw. das Hellsehen selbst. Vor langer Zeit wurden Hellseher auch Propheten genannt. Dabei ging es nicht nur um die biblischen Propheten sondern um feinfühlige Menschen, die in der Lage gewesen sein sollen, Ereignisse in der Zukunft vorhersagen zu können. Das wohl berühmteste Beispiel hierfür ist Nostradamus. Dieser Name ist beinahe jedem geläufig und mit dem Namen werden Prophezeiungen verknüpft. Nostradamus selbst ist kein Mythos, seine Existenz wurde bereits hieb und stichfest belegt. Ob und wie viel an seinen Prophezeiungen dran ist, ist eine reine Frage der Interpretation.
Er verwendete viele Phrasen und schrieb beinahe alles in Prosa. Metaphern waren seine Spezialität und diese verfasste er stets in Vierzeilern. Aber war Nostradamus wirklich ein Hellseher? Hellsehen bedeutet nach der gängigen Definition, dass bestimmte Ereignisse bzw. Vorkommnisse ziemlich exakt vorhergesehen werden. Bei der Betrachtung von Nostradamus´ Werken ist dies nicht der Fall. Es wird eher alles sehr allgemein gehalten und blumig erzählt. Durch die sehr ungenaue Art der inhaltlichen Ausführungen gibt es für jeden Vierzeiler sehr viel Spielraum für Interpretationen. Dementsprechend ist es nicht sonderlich schwer, alles Mögliche an Geschehnissen mit seinen Werken zu verbinden.
Besonders schlimme Ereignisse wie Kriege und wirtschaftliche Krisen werden gerne mit den Prophezeiungen von Nostradamus verknüpft. Aber jeder einzelne Text könnte auch mit beliebig vielen anderen Geschehnissen in Verbindung gebracht werden. Hellsehen war also nicht seine Stärke. Er war viel mehr dazu in der Lage, besonders vieldeutige Texte zu verfassen, die eine Deutung auf besondere Geschehnisse zulassen. Dennoch werden seine „Prophezeiungen“ auch heute noch sehr gerne dafür herangezogen, sie mit allem möglichen zu verbinden. Sein Erfolg gibt Nostradamus recht.