Es lässt einen immer wieder erschauern, wenn man feststellt, wie prophetisch die Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno wirklich war: Der Siegeszug der romantischen Liebe beginnt mit der Industrialisierung und den Anfängen des Kapitalismus - und damit der Widerspruch zwischen romantischem Ideal, sowie der kalten Welt der Ökonomie. Je isolierter die Menschen, je grauer und sinnentleerter der Alltag, desto stärker wurde die romantische Utopie. Liebe ist im Angebot der entstehenden Freizeit- und Kulturindustrie. Sie wird nicht nur öffentlicher, sondern damit auch teuer. Durch die romantische Liebe wurden im 19. Jahrhundert moralische und spirituelle Werte ausgedrückt. Dann aber konstituierte sie sich erst, und zwar durch die Trennung von religiöser Praxis und religiösen Werten. Die romantische Utopie stand jetzt quasi am Ende, sie wurde das Ziel selbst.
Die Botschaft der Werbung lautet: “Der Duft, der Frauen provoziert”; “Merci, dass es dich gibt”; “Für die schönsten Momente im Leben”. Zeigen Sie, was Sie wirklich fühlen, schließlich weiß man nie wann der Tag endet, und dann bezahle ich einfach mit meinem guten Namen. Das romantische Ideal haben wir nie aufgegeben. Es ist Teil unseres Wertesystems. Indizien dafür gibt es en masse: Wir benutzen im allgemeinen Ausdrücke wie “handeln”, “verhandeln”, “kommunizieren”, “seine Interessen wahrnehmen”. In Beziehungen sprechen wir selbst über Beziehungen, in Kategorien einer Kosten- und Nutzenrechnung. Das Vokabular des Marktes hat den Bereich privater Beziehungen erobert.
Und dennoch stellen professionelle und seriöse Online-Partnervermittlungen Inseln dar im brausenden Meer der romantischen Worthülsen. Virtueller Kontakt ermöglicht eine Form der Ehrlichkeit in der Kommunikation, die sonst inzwischen kaum mehr möglich ist.